Im letzten Jahr waren wir im Rahmen der Gender-Kritik-Reihe 2009 - Interdisziplinäre Dispute um Körper, Geschlecht und Identifikation" eingeladen, zu dem Thema "Der junge Feminismus: Aktualisierung der Differenz?" einen Vortrag zu halten. Dieser Vortrag und (fast) alle weiteren der Gender-Kritik-Reihe sind jetzt in der Reihe 2009 "Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung. Die Beiträge Interdisziplinäre Dispute um Methoden der Geschlechterforschung" erschienen. Leider ist der Zusammenhang des von den Veranstalter_innen erwünschten Streitgesprächs in der Publikation nicht mehr nachvollziehbar - auch weil der Beitrag von Katrin Rönicke, auf den wir uns u.a. bezogen, nicht im Band enthalten ist.
Bestellt werden kann das Buch u.a. direkt beim Verlag Peter Lang.
Auch in diesem Jahr (Sommersemeter 2010) fand wieder eine spannende Gender-Kritik Reihe statt, in der Nachwuchsforscher_innen ihre Forschungsprojekte vorstellten.
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Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung - Leipziger Gender-Kritik-Band 2 erschienen
Montag, 8. Juni 2009
Praktiken von Interdependenzen/Intersektionalitäten - Werkstattgespräch
Die Annahme, dass Machtverhältnisse nie isoliert wirken, sondern sich bspw. (Hetero)Sexismus kontextgebunden mit Rassismus, Gesundheitsnormen etc. verschränkt, ist Ausgangspunkt vieler politischer Praktiken und Konzepte. Projekte in unterschiedlichen Praxisfeldern - wie Verlagen, Kulturprojekten, Bildungs- und Beratungseinrichtungen - berücksichtigen - bereits seit Jahren gesellschaftliche Interdependenzen/Intersektionalitäten in ihrer Arbeit, insbesondere in der Auseinandersetzung mit Mehrfachdiskriminierungen bzw. -privilegierungen. Bisher gab es jedoch nur wenig Raum für einen gemeinsamen Austausch zu interdependenten Perspektiven zwischen Expert_innen aus unterschiedlichen Feldern der Wissensproduktion.
Teilnehmende Expert_innen:
Anke Krause, Annika Sulzer und Petra Wagner von Kinderwelten
Ellen Wesemüller, Mitherausgeberin von “Mädchenarbeit war gestern
Jenny Hauke, Filmemacherin und Künstlerin
Ka Schmitz, Comic-Zeichner_in
Katja Linke, ABQueer
Lena Stehle, feministische Anwält_in
Lisa Thaler, LesMigras
Nanna Heidenreich, kanak attak und arsenal experimental
Sera Choi, Deutsches Institut für Menschenrechte
Vera Tudor, Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien
Wann? 12./13. Juni 2009 (Freitag und Samstag, jeweils 10 bis 17.30 Uhr)
Wo? scheinbar unter werkstatt.interdependenz@gmail.com verbunden mit einer Anmeldung zu erfragen
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Tags für diesen Artikel: gender, interdependenz, intersektionalität, klassismus, rassismus, sexismus
Mittwoch, 10. Dezember 2008
Hype oder Lösungsansatz? - "Celebrating Intersectionality"
Nachdem auf dem Queer-o-mat soeben bekannt gegeben wurde, dass die Gender Studies in Hannover aufgelöst wurden, kann eine Gegenbewegung wahrgenommen werden, wobei noch zu klären ist, ob es sich um eine Bewegung handelt oder je handeln kann: Intersektionalität wird landab, landauf diskutiert (siehe Gleichzeitge Ungleichheiten, Doing Intersectionality. Über das Recht auf Verschiedenheit und den Umgang mit Differenz) und auch im kommenden Jahr thematisiert. Dabei handelt es sich nicht um ein Konzept, welches die Gender Studies obsolet erscheinen lassen soll, sondern das monolithische Erscheinen der ins Scheinwerferlicht gerückten Kategorie Gender korrigiert. Korrigiert dahingehend, dass Gender nie allein und für sich genommen Gesellschaft organisiert, sondern immer nur in der Verkreuzung zu weiteren Struktur- und Analysekategorien wie Klasse, "Rasse", Befähigung, Alter und dertausend mehr, was bereits auf ein erstes Grunddilemma verweist. Denn wie kann mensch der Überlappung und Verkreuzung in der Analyse gerecht werden, wenn die Kategorien künstlich aufgespalten und in einer nicht enden wollende Aufzählungslitanei abgespult werden. Bereits da scheiden sich die Geister - was beweisen könnte, dass Trennungen auch produktiv sein können, insofern neben dem Ansatz der Intersektionalität auch der Ansatz der Interdependenz entwickelt wurde (nachzulesen in Gender als interdependente Kategorie). Dieser betont, dass die Kategorien immer integral wirken und in der Betrachtung einer Kategorie in ihrer Multiplität konsequent mitgedacht werden müssen, um Ungleichheiten mehrdimensional zu verstehen.
Wem an dieser Stelle Lust nach mehr ist und wer sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage "Hype oder Lösungsansatz?" begeben möchte, sollte sich auf einer der folgenden Konferenzen und Veranstaltungen tummeln:
15.01.2009
Beatrice Michaelis und Elahe Haschemi Yekani: "Interdependenzen/Intersektionalität als korrektive Methodologie in den Literatur-/Kulturwissenschaften.”
Workshop am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) - Justus Liebig University Gießen
22. und 23. 01. 2009
Gendering Disability - Behinderung und Geschlecht in Theorie und Praxis
Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Univesität Bremen, AG Disability Studies in Deutschland
Ort: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
und wer die Wahl hat die Qual - zum gleichen Termin:
Celebrating Intersectionality? Debates on a multi-faceted Concept in Gender Studies
International Conference
Ort: Goethe-University Frankfurt Campus Westend Room 1.801
18.-20. Juni 2009
Intersectionality – Theorien, Methoden, Empirien
12. Arbeitstagung der Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde
Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie, München
Ort: Wien
Wem an dieser Stelle Lust nach mehr ist und wer sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage "Hype oder Lösungsansatz?" begeben möchte, sollte sich auf einer der folgenden Konferenzen und Veranstaltungen tummeln:
15.01.2009
Beatrice Michaelis und Elahe Haschemi Yekani: "Interdependenzen/Intersektionalität als korrektive Methodologie in den Literatur-/Kulturwissenschaften.”
Workshop am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) - Justus Liebig University Gießen
22. und 23. 01. 2009
Gendering Disability - Behinderung und Geschlecht in Theorie und Praxis
Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Univesität Bremen, AG Disability Studies in Deutschland
Ort: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
und wer die Wahl hat die Qual - zum gleichen Termin:
Celebrating Intersectionality? Debates on a multi-faceted Concept in Gender Studies
International Conference
Ort: Goethe-University Frankfurt Campus Westend Room 1.801
18.-20. Juni 2009
Intersectionality – Theorien, Methoden, Empirien
12. Arbeitstagung der Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde
Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie, München
Ort: Wien
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Tags für diesen Artikel: gender, interdependenz, intersectionality, intersektionalität, konferenz, studies, ungleichheiten
Samstag, 8. November 2008
„Evolve or Die“ - Projektutorien von Christiane Hutson im WS 08/09
„Evolve or Die“ post/ koloniale Interdependenzen zwischen Rassifizierungs-, Vergeschlechtlichungs- und Behinderungs-/ Erkrankungsprozessen
Unsere Denk-, Handlungs- und Erfahrungsweisen sind strukturell von Ent- und Erinnerungen an koloniale Gewalt (kolonialen Echos) durchzogen. In diesem Blockseminar möchte ich die Möglichkeit geben darüber nachzudenken, wie und aus welchen gesellschaftlichen Positionen heraus koloniale Gewalt in gegenwärtigen Vorstellungen von ›Rasse‹, ›Geschlecht‹ und ›Gesundheit/ Behinderung/ Krankheit‹ er- oder entinnert wird. Wichtig ist mir dabei zum einen, die unauflöslichen, wechselseitigen Beziehungen zwischen Rassismus (Gewalt gegen People of Color), Sexismus (Gewalt gegen Transleute, Queers, Lesben, Schwule und Frauen) und Ableism (Gewalt gegen Menschen mit Behinderung/ chronischer Krankheit) sichtbar zu machen. Zum anderen geht es darum, markieren zu können, dass die wechselseitigen Beziehungen zwischen Rassifizierung, Vergeschlechtlichung und Konstruktionen von Krankheit/ Behinderung/ Gesundheit für die Durchsetzung von kolonialer Macht und ihrer gegenwärtigen Echos bedeutungsvoll sind.
Das Blockseminar findet am 7.11- 8.11.2008 + 21.11.-22.11.2008 (Freitags 10- 18 Uhr, Samstags 8 - 16 Uhr) im Seminargebäude Dorotheenstraße 24, Raum 3.007, Humboldt-Universität zu Berlin statt. Bitte meldet euch unter c.hutson(at)web.de an!
„ … und die Welt machte mir sehr deutlich, dass ich ihr eine Erklärung schuldete.“ Vergeschlechtlichende Sozialisationsprozesse innerhalb von Rassismus und Behinderung
„Ich war ein Freak, eine Außenseiterin, die ‘Andere’, und die Welt machte mir sehr deutlich, dass ich ihr eine Erklärung schuldete.“ Mit diesen Worten erinnert sich die handamputierte Jo Anne Rome an ihre Schulzeit. Das Gefühl vermittelt zu bekommen, der Welt eine Erklärung schuldig zu sein, ist eines, dass mich zum einen ein Stück weit an meine Erfahrungen als chronisch kranke Frau erinnert. Als Schwarze Frau erinnert mich das von Rome geschilderte Gefühl aber auch an meine eigenen Erfahrungen mit Alltagsrassismus und beispielsweise der damit einhergehender Forderung, bereitwillig Auskunft über meine Herkunft zu geben. Diese Perspektiven verbindend geht das Blockseminar zwei Fragen nach.
Wie kommt es, dass pädagogische Konzepte und Akteur_innen Erklärungen dieser Art einfordern können, ohne sich als rassistisch und behindernd wahrzunehmen?
Wie können pädagogische Akteur_innen dieser Einforderung widerstehen?
An dieser Stelle werden postkoloniale Theorie und die Disability Studies als kritisches Analyse- und Bewertungsinstrumentarium für pädagogisches Handeln vorgestellt.
Das PT findet an der Universität Bielefeld statt. Termine ab dem 28.11.2008 über das Stud.IP oder unter c.hutson(at)web.de erfragen!
Unsere Denk-, Handlungs- und Erfahrungsweisen sind strukturell von Ent- und Erinnerungen an koloniale Gewalt (kolonialen Echos) durchzogen. In diesem Blockseminar möchte ich die Möglichkeit geben darüber nachzudenken, wie und aus welchen gesellschaftlichen Positionen heraus koloniale Gewalt in gegenwärtigen Vorstellungen von ›Rasse‹, ›Geschlecht‹ und ›Gesundheit/ Behinderung/ Krankheit‹ er- oder entinnert wird. Wichtig ist mir dabei zum einen, die unauflöslichen, wechselseitigen Beziehungen zwischen Rassismus (Gewalt gegen People of Color), Sexismus (Gewalt gegen Transleute, Queers, Lesben, Schwule und Frauen) und Ableism (Gewalt gegen Menschen mit Behinderung/ chronischer Krankheit) sichtbar zu machen. Zum anderen geht es darum, markieren zu können, dass die wechselseitigen Beziehungen zwischen Rassifizierung, Vergeschlechtlichung und Konstruktionen von Krankheit/ Behinderung/ Gesundheit für die Durchsetzung von kolonialer Macht und ihrer gegenwärtigen Echos bedeutungsvoll sind.
Das Blockseminar findet am 7.11- 8.11.2008 + 21.11.-22.11.2008 (Freitags 10- 18 Uhr, Samstags 8 - 16 Uhr) im Seminargebäude Dorotheenstraße 24, Raum 3.007, Humboldt-Universität zu Berlin statt. Bitte meldet euch unter c.hutson(at)web.de an!
„ … und die Welt machte mir sehr deutlich, dass ich ihr eine Erklärung schuldete.“ Vergeschlechtlichende Sozialisationsprozesse innerhalb von Rassismus und Behinderung
„Ich war ein Freak, eine Außenseiterin, die ‘Andere’, und die Welt machte mir sehr deutlich, dass ich ihr eine Erklärung schuldete.“ Mit diesen Worten erinnert sich die handamputierte Jo Anne Rome an ihre Schulzeit. Das Gefühl vermittelt zu bekommen, der Welt eine Erklärung schuldig zu sein, ist eines, dass mich zum einen ein Stück weit an meine Erfahrungen als chronisch kranke Frau erinnert. Als Schwarze Frau erinnert mich das von Rome geschilderte Gefühl aber auch an meine eigenen Erfahrungen mit Alltagsrassismus und beispielsweise der damit einhergehender Forderung, bereitwillig Auskunft über meine Herkunft zu geben. Diese Perspektiven verbindend geht das Blockseminar zwei Fragen nach.
Wie kommt es, dass pädagogische Konzepte und Akteur_innen Erklärungen dieser Art einfordern können, ohne sich als rassistisch und behindernd wahrzunehmen?
Wie können pädagogische Akteur_innen dieser Einforderung widerstehen?
An dieser Stelle werden postkoloniale Theorie und die Disability Studies als kritisches Analyse- und Bewertungsinstrumentarium für pädagogisches Handeln vorgestellt.
Das PT findet an der Universität Bielefeld statt. Termine ab dem 28.11.2008 über das Stud.IP oder unter c.hutson(at)web.de erfragen!
Quer gelesen: Gender/Queer Studies. Eine Einführung von Nina Degele.
Rezension: Degele, Nina (2008). Gender/Queer Studies. Eine Einführung. München: Fink (UTB) Erster Band der Einführungsreihe „Basiswissen Soziologie“ (Hg. mit Christian Dries und Dominique Schirmer).
Von Katrin Köppert, 31.07.2008 (Ausstrahlung beim Transgenderadio am 03.08. und 17.08.2008)
Nina Degeles neu erschienenes Lehrbuch „Gender/Queer Studies“ ergänzt die Reihe rot leuchtender Einführungslektüren, ist jedoch im Buchregal neben den von Christina von Braun und Inge Stephan herausgegebenen Einführungen weniger einnehmend. Dass sich das erste Buch der neuen Lehrbuchreihe „Basiswissen Soziologie“ auch inhaltlich einer zu beobachtenden Verflachung neuer Bachelor-Studiengänge anpasst, könnte hinsichtlich der Aufmachung diskutiert werden. Mit dem Anspruch Geschlechter –und Queere Theorien anwendungsorientiert, lesefreundlich und didaktisch modern aufzubereiten, finden sich auf dem Cover sowie den einzelnen Kapiteln übergeordnet Bilder verschieden zurechtgemachter, geschlechtlich diverser Barbiepuppen.
Auf den Originalitätswert dessen nicht weiter eingehend, wird Zweigeschlechtlichkeit anhand der Barbiepuppen eingeführt, um sie zu zugleich zu subvertieren. Ob diese Bildauswahl im Zusammenhang von Heteronormativitätskritik angebracht ist, sei dahingestellt. Auf alle Fälle suggeriert die Repräsentation von Barbie und Ken, dass Gender-Studien ähnlich konsumierbar und einer Bebilderungsmaschinerie entsprechend verwertbar sind bzw. zu sein haben. Vermeintlich bekannte Muster werden verqueert angeteasert, um Absatz zu finden. Zudem folgt der Aufbau des Buches dem Vermarktungspostulat von Wissenschaft. Es soll einem leicht gemacht werden, sich inhaltlich anzunähern. Bilder lockern das Textgeschwader auf, Randbemerkungen fassen vermeintlich spannende Textstellen zusammen und Stichpunkte strukturieren den Text. Ob sich das Prinzip bezahlt macht, wenn mensch für die Prüfung lernt und sich auf vorgegebene Stichpunkte stützt, kann an dieser Stelle nicht nachgeprüft werden. Jedoch ist zu bezweifeln, dass mensch fremde Stichpunkte besser als selbst durchdachte erinnern wird. Zumal die Didaktisierung zu weiten Teilen konstruiert erscheint, da die Aufteilung der Stichpunkte nicht zwingend nachvollziehbar ist. Wie dem auch sei versucht das Buch der universitären Entwicklung von Komplexitätsreduktion und Verknappung zu folgen – und das in einem Bereich, in dem kritisches Denken und ein hohes Maß an Reflexionsleistung und -bereitschaft nicht nur aufschlussreich, sondern unabdingbar und wichtig ist.
Sieht mensch über den ersten Eindruck des sich in Büchern niederschlagenden Wissenschaftsdarwinismus hinweg, hält mensch ein Buch in der Hand, was durchaus taugt für das Grundstudium bzw. Bachelorstudium, für das es mit dem Button utb - Bachelor Bibliothek beworben wird. Es bietet einen guten Überblick über die Geschichte der Gender/Queer Studies sowie deren Theorien und Methodologien. Dabei werden drei Strömungen bzw. Theorieperspektiven zu Grunde gelegt, deren künstliches Auseinanderhalten eine Klassifizierung von Gender-Wissen versucht. Die Einordnung und Abspaltung von strukturorientierter Gesellschaftskritik, interaktionistischem Konstruktivismus und diskurstheoretischem Dekonstruktivismus läuft meiner Meinung nach dem Anspruch des Buches zuwider, die Gender/Queer-Studien als Verunsicherungswissenschaft geltend zu machen. Verunsichert ist mensch letztlich über die Trennung eines kaum Trennbaren.
Eine Stärke des Buches ist hingegen, Gender und Queer zunehmend zusammen zu denken, ohne die jeweiligen Potentiale und Schwächen gegeneinander auszuspielen. Die Etablierung der Gender Studies versus die Marginalisierung von Queer Studies an den Universitäten wird relativiert, indem beide Strömungen miteinander verschränkt betrachtet werden. Das Buch bildet somit ein Passepartout verschiedener Diskursstränge, Genealogien und vor allem auch wichtiger Vertreter_innen und Vordenker_innen der Geschlechterstudien, aus den mensch sich wie aus einem Werkzeugkasten bedienen kann, um empirisch weiterzuarbeiten.
Die empirische Anwendung von Theorien wird im zweiten Teil des Buches exemplarisch vorgeführt, in dem zentrale Themen der Geschlechterforschung von verschiedenen Autor_innen unter dem Gesichtspunkt der vorher besprochenen Theorien vorgestellt werden. Daraus resultiert einerseits, dass sich das Buch öffnet und den soziologisch begründeten ersten Teil disziplinär erweitert, was hinsichtlich der Transdisziplinarität der Gender Studies in einem Lehrbuch mit einführendem Charakter zwingend notwendig ist. Andererseits entsteht mit dem zweiten Teil ein Bruch, insofern dass die Trennung von strukturorientierter Gesellschaftskritik, interaktionistischem Konstruktivismus und diskurstheoretischem Dekonstruktivismus nicht konsequent in allen Texten umgesetzt bzw. demonstriert wird. Somit erscheint die künstlich anmutende Klassifizierung des ersten Teils hinlänglich. Schließlich geht es nicht darum, aufzuzeigen, anhand welcher Themen die Einordnung von Theorieperspektiven Anwendung findet, sondern inwiefern die Geschlechterperspektive sowie die queerenden Aspekte der Analysen Aufschluss über gesellschaftliche Prozesse und Diskursformationen allgemein geben.
Dass der zweite Teil interessante und zentrale Themen der Gender/Queer Studies versammelt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Perspektive der Intersektionalität unterbeleuchtet ist. Setzt man den Text von Volker Woltersdorff und dessen Kontextualisierung von Queer und Hartz IV bzw. Geschlecht im Neoliberalismus in Klammern, schafft das Buch nicht, was als Methodologie der Gender/Queer Studies im ersten Teil vorgestellt wird. Intersektionalität als Ansatz „kontextspezifischer Untersuchungen von Überschneidungen und des Zusammenwirkens verschiedener gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen“ wird insofern ausgeblendet, dass auf der Anwendungsebene die Kategorien Geschlecht, Klasse, „Race“, Andere Befähigung, Alter etc. kaum zusammengeführt bzw. in deren Verwobenheit nicht betrachtet werden. Transsexualität, Pornografie, Prostitution, um nur einige Beispiele der verhandelten Themen zu nennen, werden auf Geschlecht als Strukturkategorie reduziert analysiert. An den Stellen, an denen kontextspezifische Diskriminierungsformen erwähnt werden, findet die Perspektive keinen nachhaltigen verstörenden Eingang in die Analyse und verharrt in einem Zentrismus weißer, mittelständischer, nicht-behinderter Wissenschaft.
Das Buch wird im Grunde genommen den Widersprüchlichkeiten der Gender/Queer Studies gerecht und kann diese nicht aufheben. Es verunsichert mehr als es „Wahrheiten“ oder Erkenntnisse schafft. In der Widersprüchlichkeit, Wahrheiten bewusst hintergehen, aber zugleich einen Wissenstransfer betreiben zu wollen, der eingängig und auf klaren Strukturen basierend funktionieren soll, liegt die Crux von geschlechter(de)konstruktiver Theoretisierung und pragmatisch praktikabler Umsetzung versteckt. Dieser Antagonismus von so genannt moderner Wissenschaft und der Verweigerung von gesichertem Wissen ist unter dem Strich eine verunsichernde Praxis. Studierende, interessierte und kritische Köpfe bleiben am Ende sich selbst überlassen, hoffentlich inspiriert und motiviert, aus der Ortlosigkeit von Wissen neue und produktive Un-Orte des Hinterfragens und Störens zu finden und zu gestalten.
Degele, Nina (2008): Gender/Queer Studies. Eine Einführung. München: Fink (UTB) Erster Band der Einführungsreihe „Basiswissen Soziologie“ (Hg. mit Christian Dries und Dominique Schirmer).
Braun, Christina von, Stephan, Inge (Hrsg) (2000): Gender Studien. Eine Einführung. Stuttgart; Weimar: J.B. Metzler.
Braun, Christina von, Stephan, Inge (Hrsg) (2005): Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Köln; Weimar; Wien: Böhlau (UTB).
Link zum Transgenderradio
Von Katrin Köppert, 31.07.2008 (Ausstrahlung beim Transgenderadio am 03.08. und 17.08.2008)
Nina Degeles neu erschienenes Lehrbuch „Gender/Queer Studies“ ergänzt die Reihe rot leuchtender Einführungslektüren, ist jedoch im Buchregal neben den von Christina von Braun und Inge Stephan herausgegebenen Einführungen weniger einnehmend. Dass sich das erste Buch der neuen Lehrbuchreihe „Basiswissen Soziologie“ auch inhaltlich einer zu beobachtenden Verflachung neuer Bachelor-Studiengänge anpasst, könnte hinsichtlich der Aufmachung diskutiert werden. Mit dem Anspruch Geschlechter –und Queere Theorien anwendungsorientiert, lesefreundlich und didaktisch modern aufzubereiten, finden sich auf dem Cover sowie den einzelnen Kapiteln übergeordnet Bilder verschieden zurechtgemachter, geschlechtlich diverser Barbiepuppen.
Auf den Originalitätswert dessen nicht weiter eingehend, wird Zweigeschlechtlichkeit anhand der Barbiepuppen eingeführt, um sie zu zugleich zu subvertieren. Ob diese Bildauswahl im Zusammenhang von Heteronormativitätskritik angebracht ist, sei dahingestellt. Auf alle Fälle suggeriert die Repräsentation von Barbie und Ken, dass Gender-Studien ähnlich konsumierbar und einer Bebilderungsmaschinerie entsprechend verwertbar sind bzw. zu sein haben. Vermeintlich bekannte Muster werden verqueert angeteasert, um Absatz zu finden. Zudem folgt der Aufbau des Buches dem Vermarktungspostulat von Wissenschaft. Es soll einem leicht gemacht werden, sich inhaltlich anzunähern. Bilder lockern das Textgeschwader auf, Randbemerkungen fassen vermeintlich spannende Textstellen zusammen und Stichpunkte strukturieren den Text. Ob sich das Prinzip bezahlt macht, wenn mensch für die Prüfung lernt und sich auf vorgegebene Stichpunkte stützt, kann an dieser Stelle nicht nachgeprüft werden. Jedoch ist zu bezweifeln, dass mensch fremde Stichpunkte besser als selbst durchdachte erinnern wird. Zumal die Didaktisierung zu weiten Teilen konstruiert erscheint, da die Aufteilung der Stichpunkte nicht zwingend nachvollziehbar ist. Wie dem auch sei versucht das Buch der universitären Entwicklung von Komplexitätsreduktion und Verknappung zu folgen – und das in einem Bereich, in dem kritisches Denken und ein hohes Maß an Reflexionsleistung und -bereitschaft nicht nur aufschlussreich, sondern unabdingbar und wichtig ist.
Sieht mensch über den ersten Eindruck des sich in Büchern niederschlagenden Wissenschaftsdarwinismus hinweg, hält mensch ein Buch in der Hand, was durchaus taugt für das Grundstudium bzw. Bachelorstudium, für das es mit dem Button utb - Bachelor Bibliothek beworben wird. Es bietet einen guten Überblick über die Geschichte der Gender/Queer Studies sowie deren Theorien und Methodologien. Dabei werden drei Strömungen bzw. Theorieperspektiven zu Grunde gelegt, deren künstliches Auseinanderhalten eine Klassifizierung von Gender-Wissen versucht. Die Einordnung und Abspaltung von strukturorientierter Gesellschaftskritik, interaktionistischem Konstruktivismus und diskurstheoretischem Dekonstruktivismus läuft meiner Meinung nach dem Anspruch des Buches zuwider, die Gender/Queer-Studien als Verunsicherungswissenschaft geltend zu machen. Verunsichert ist mensch letztlich über die Trennung eines kaum Trennbaren.
Eine Stärke des Buches ist hingegen, Gender und Queer zunehmend zusammen zu denken, ohne die jeweiligen Potentiale und Schwächen gegeneinander auszuspielen. Die Etablierung der Gender Studies versus die Marginalisierung von Queer Studies an den Universitäten wird relativiert, indem beide Strömungen miteinander verschränkt betrachtet werden. Das Buch bildet somit ein Passepartout verschiedener Diskursstränge, Genealogien und vor allem auch wichtiger Vertreter_innen und Vordenker_innen der Geschlechterstudien, aus den mensch sich wie aus einem Werkzeugkasten bedienen kann, um empirisch weiterzuarbeiten.
Die empirische Anwendung von Theorien wird im zweiten Teil des Buches exemplarisch vorgeführt, in dem zentrale Themen der Geschlechterforschung von verschiedenen Autor_innen unter dem Gesichtspunkt der vorher besprochenen Theorien vorgestellt werden. Daraus resultiert einerseits, dass sich das Buch öffnet und den soziologisch begründeten ersten Teil disziplinär erweitert, was hinsichtlich der Transdisziplinarität der Gender Studies in einem Lehrbuch mit einführendem Charakter zwingend notwendig ist. Andererseits entsteht mit dem zweiten Teil ein Bruch, insofern dass die Trennung von strukturorientierter Gesellschaftskritik, interaktionistischem Konstruktivismus und diskurstheoretischem Dekonstruktivismus nicht konsequent in allen Texten umgesetzt bzw. demonstriert wird. Somit erscheint die künstlich anmutende Klassifizierung des ersten Teils hinlänglich. Schließlich geht es nicht darum, aufzuzeigen, anhand welcher Themen die Einordnung von Theorieperspektiven Anwendung findet, sondern inwiefern die Geschlechterperspektive sowie die queerenden Aspekte der Analysen Aufschluss über gesellschaftliche Prozesse und Diskursformationen allgemein geben.
Dass der zweite Teil interessante und zentrale Themen der Gender/Queer Studies versammelt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Perspektive der Intersektionalität unterbeleuchtet ist. Setzt man den Text von Volker Woltersdorff und dessen Kontextualisierung von Queer und Hartz IV bzw. Geschlecht im Neoliberalismus in Klammern, schafft das Buch nicht, was als Methodologie der Gender/Queer Studies im ersten Teil vorgestellt wird. Intersektionalität als Ansatz „kontextspezifischer Untersuchungen von Überschneidungen und des Zusammenwirkens verschiedener gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen“ wird insofern ausgeblendet, dass auf der Anwendungsebene die Kategorien Geschlecht, Klasse, „Race“, Andere Befähigung, Alter etc. kaum zusammengeführt bzw. in deren Verwobenheit nicht betrachtet werden. Transsexualität, Pornografie, Prostitution, um nur einige Beispiele der verhandelten Themen zu nennen, werden auf Geschlecht als Strukturkategorie reduziert analysiert. An den Stellen, an denen kontextspezifische Diskriminierungsformen erwähnt werden, findet die Perspektive keinen nachhaltigen verstörenden Eingang in die Analyse und verharrt in einem Zentrismus weißer, mittelständischer, nicht-behinderter Wissenschaft.
Das Buch wird im Grunde genommen den Widersprüchlichkeiten der Gender/Queer Studies gerecht und kann diese nicht aufheben. Es verunsichert mehr als es „Wahrheiten“ oder Erkenntnisse schafft. In der Widersprüchlichkeit, Wahrheiten bewusst hintergehen, aber zugleich einen Wissenstransfer betreiben zu wollen, der eingängig und auf klaren Strukturen basierend funktionieren soll, liegt die Crux von geschlechter(de)konstruktiver Theoretisierung und pragmatisch praktikabler Umsetzung versteckt. Dieser Antagonismus von so genannt moderner Wissenschaft und der Verweigerung von gesichertem Wissen ist unter dem Strich eine verunsichernde Praxis. Studierende, interessierte und kritische Köpfe bleiben am Ende sich selbst überlassen, hoffentlich inspiriert und motiviert, aus der Ortlosigkeit von Wissen neue und produktive Un-Orte des Hinterfragens und Störens zu finden und zu gestalten.
Degele, Nina (2008): Gender/Queer Studies. Eine Einführung. München: Fink (UTB) Erster Band der Einführungsreihe „Basiswissen Soziologie“ (Hg. mit Christian Dries und Dominique Schirmer).
Braun, Christina von, Stephan, Inge (Hrsg) (2000): Gender Studien. Eine Einführung. Stuttgart; Weimar: J.B. Metzler.
Braun, Christina von, Stephan, Inge (Hrsg) (2005): Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Köln; Weimar; Wien: Böhlau (UTB).
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