LesMigraS-Studie zu Gewalt und Diskriminierung von LBT sucht Interviewpartner_innen und Postermodelle.
"Wer möchte schon gerne wählen zwischen einem dummen Spruch, der sich auf die Herkunft bezieht, oder einer sexistischen Anmache aufgrund des Geschlechts, zwischen einer Ohrfeige oder einer bloßstellenden Behandlung… Getreu unserem Motto: Identität kennt kein Entweder-Oder! werden wir in unserer Studie zu Gewalt und Diskriminierung von LBT nach den homophoben, sexistischen rassistischen und transphoben Erfahrungen, die lesbische, bisexuelle Frauen und Trans* in der Gesellschaft machen, fragen. Durch persönliche Interviews möchten wir verstärkt Trans* Menschen mit und ohne Migrationshintergrund/of Color/Schwarz in die Studie miteinbeziehen." weitere Infos.
Daneben möchte LesMigraS in einer deutschlandweiten Plakatkampagne mit dem Slogan "Identität kennt kein Entweder-Oder" darauf aufmerksam machen, dass lesbische, bisexuelle Frauen und Trans* oftmals Gewalt und Diskriminierung erfahren. weitere Infos.
Also wenn ihr euch angesprochen fühlt oder Lust habt euch fotografieren zu lassen, dann meldet euch bei Kampagne@lesmigras.de oder ruft einfach unter 030/21 91 50 90 an. Auf der Webseite von LesMigraS gibt es weitere Infos.
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LesMigraS-Studie zu Gewalt und Diskriminierung von LBT
Geschrieben von queer-o-mat
in Gesellschaft, Wissenschaft
um
12:01
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Tags für diesen Artikel: diskriminierung, gender, geschlechter, geschlechternormen, heteronormativität, homophobie, homosexualität, lesben, lesbenbewegung, migration, nationalismus, queer, rassismus, schwule, schwulenbewegung, sexismus
Sonntag, 25. April 2010
Identitäts-Kriege im Internet
Das Panel „Identitäts-Kriege im Internet“ auf der letzten re:publica ließ mich nachdenken, über Identitäten und deren Bildung/Herausformung im Internet.
Wie bilden sich Identitäten, mit welchen Identitäten müssen oder können wir jeden Tag spielen, sind sie verhandelbar? Wie wirkt sich das Internet auf die Identitätsbildung aus? Kann mensch sich nach Belieben eine neue zulegen? Stärkt die Neuanschaffung von Identität den Individualismus oder doch die Gruppe? Alles scheint mir möglich zu sein. Einerseits stärkt das Internet Individualidentitäten, die in der Offline-Welt beschwerlicher zu leben sind - gedacht sei an queere Identitäten, die im Internet wesentlich schneller Anschluss an ein entsprechendes Netzwerk finden, als in einem 300 Seelen-Dorf. Schließlich ist das Regulieren von Identitäten im Internet nur schwer möglich, da jede_r sich sein_e Wunschidentität zu- und auch wieder ablegen kann.
Das Erfinden bzw. Leben einer Identität im Internet scheint vergleichsweise einfach, ist teilweise sogar als Sportart anerkannt. Dies ermöglicht auch das stetige Wechseln zwischen Gruppenidentitäten/"Staatsbürgerschaften" und kann eine neue Form von politischen Verhältnissen fördern, da der Wechsel an einen Ort, an dem es einem besser gefällt, einfacher ist, wenn mensch nicht mit "Klarnamen" unterwegs ist.
Nichts desto trotz fördert das Internet auch Gruppenidentitäten, mit all ihren restriktiven Möglichkeiten. Letztlich bildet das Internet eine gesellschaftliche Struktur ab, die zwar leichter konfigurierbar, jedoch nicht regellos ist. Das zeigen unzählige Identitätskämpfe in einem scheinbar unendlichen (Online-)Kontinuum von Identitätsmöglichkeiten. Viele Netzwerke wünschen sich detaillierte Profilangaben der Nutzer_innen – z.B. bei Facebook muss mensch einen "echten" Namen angeben oder kann nur mit einer Person in Beziehung leben (wer Polyamorösität vorzieht, hat in diesem Punkt schon verloren). Oder Gayromeo, wo nur anhaltende Proteste es Trans*Personen ermöglichten im Netzwerk zu bleiben („Wir gestatten Personen mit Geschlechtsumwandlungen ‚Mann zu Frau‘ und ‚Frau zu Mann‘ (beide vor und nach Operation), Profile bei GayRomeo zu führen.“) Trans*gender*Personen, die sich nicht qua Operation an ein biologisches Geschlecht anpassen wollen, bleiben ausgeschlossen, da Trans*Menschen nur dann zugelassen sind, wenn sie eine Operation durchgeführt haben oder intendieren. Hinzu kommt, dass Trans*Menschen im Profil eine Transgender*Identität klar herausstellen/benennen müssen, um mitwirken zu können - ungeachtet des Umstands, dass sie dieses eventuell gar nicht möchten.
Zwar kann die neue liquide Form der Identitätsbildung zu einer Aufweichung bisher kohärent vorangenommener Identitäten (Geschlecht, Ethnie usw.) führen, wird dennoch der übliche Prozess der Identitätsbildung lediglich in ein nicht-habtisches Medium übertragen - unter der Gefahr hegemoniale Strukturen zu reproduzieren. Zugleich scheint nicht gefördert werden zu können, dass virtuell sich aufspaltende Identitäten in der außer-virtuellen Umgebung gleichermaßen realisierbar werden. Stattdessen lösen diese virtuellen Identitäten, die schwer greifbar sind, weil sie eben im seltensten Fall auf einen Menschen zurückgeführt werden können, die Angst aus, einen Kollaps des bisherigen Menschenbildes hervorzurufen. Der Traum einer eineindeutigen IP-Adresse bzw. Kennnummer pro Mensch ist für einige noch nicht ausgeträumt - deshalb versucht z.B. auch Facebook nur "echte" Menschen zu verifizieren und zuzulassen. Indem die Netzidentität eng an eine staatsbürgerschaftliche und kohärente Identität gekoppelt wird, soll eine Ordnung in die Unordnung des Internets gebracht werden, die stark an die hegemonialen Werte unserer „realen“ Gegenwart erinnert.
Aus diesem Grund wird weiter zu beobachten sein, inwiefern sich deterministische Identitätskonzepte im Netz durchsetzen oder sich Räume öffnen für deren Sprengung.
Francesca
Wie bilden sich Identitäten, mit welchen Identitäten müssen oder können wir jeden Tag spielen, sind sie verhandelbar? Wie wirkt sich das Internet auf die Identitätsbildung aus? Kann mensch sich nach Belieben eine neue zulegen? Stärkt die Neuanschaffung von Identität den Individualismus oder doch die Gruppe? Alles scheint mir möglich zu sein. Einerseits stärkt das Internet Individualidentitäten, die in der Offline-Welt beschwerlicher zu leben sind - gedacht sei an queere Identitäten, die im Internet wesentlich schneller Anschluss an ein entsprechendes Netzwerk finden, als in einem 300 Seelen-Dorf. Schließlich ist das Regulieren von Identitäten im Internet nur schwer möglich, da jede_r sich sein_e Wunschidentität zu- und auch wieder ablegen kann.
Das Erfinden bzw. Leben einer Identität im Internet scheint vergleichsweise einfach, ist teilweise sogar als Sportart anerkannt. Dies ermöglicht auch das stetige Wechseln zwischen Gruppenidentitäten/"Staatsbürgerschaften" und kann eine neue Form von politischen Verhältnissen fördern, da der Wechsel an einen Ort, an dem es einem besser gefällt, einfacher ist, wenn mensch nicht mit "Klarnamen" unterwegs ist.
Nichts desto trotz fördert das Internet auch Gruppenidentitäten, mit all ihren restriktiven Möglichkeiten. Letztlich bildet das Internet eine gesellschaftliche Struktur ab, die zwar leichter konfigurierbar, jedoch nicht regellos ist. Das zeigen unzählige Identitätskämpfe in einem scheinbar unendlichen (Online-)Kontinuum von Identitätsmöglichkeiten. Viele Netzwerke wünschen sich detaillierte Profilangaben der Nutzer_innen – z.B. bei Facebook muss mensch einen "echten" Namen angeben oder kann nur mit einer Person in Beziehung leben (wer Polyamorösität vorzieht, hat in diesem Punkt schon verloren). Oder Gayromeo, wo nur anhaltende Proteste es Trans*Personen ermöglichten im Netzwerk zu bleiben („Wir gestatten Personen mit Geschlechtsumwandlungen ‚Mann zu Frau‘ und ‚Frau zu Mann‘ (beide vor und nach Operation), Profile bei GayRomeo zu führen.“) Trans*gender*Personen, die sich nicht qua Operation an ein biologisches Geschlecht anpassen wollen, bleiben ausgeschlossen, da Trans*Menschen nur dann zugelassen sind, wenn sie eine Operation durchgeführt haben oder intendieren. Hinzu kommt, dass Trans*Menschen im Profil eine Transgender*Identität klar herausstellen/benennen müssen, um mitwirken zu können - ungeachtet des Umstands, dass sie dieses eventuell gar nicht möchten.
Zwar kann die neue liquide Form der Identitätsbildung zu einer Aufweichung bisher kohärent vorangenommener Identitäten (Geschlecht, Ethnie usw.) führen, wird dennoch der übliche Prozess der Identitätsbildung lediglich in ein nicht-habtisches Medium übertragen - unter der Gefahr hegemoniale Strukturen zu reproduzieren. Zugleich scheint nicht gefördert werden zu können, dass virtuell sich aufspaltende Identitäten in der außer-virtuellen Umgebung gleichermaßen realisierbar werden. Stattdessen lösen diese virtuellen Identitäten, die schwer greifbar sind, weil sie eben im seltensten Fall auf einen Menschen zurückgeführt werden können, die Angst aus, einen Kollaps des bisherigen Menschenbildes hervorzurufen. Der Traum einer eineindeutigen IP-Adresse bzw. Kennnummer pro Mensch ist für einige noch nicht ausgeträumt - deshalb versucht z.B. auch Facebook nur "echte" Menschen zu verifizieren und zuzulassen. Indem die Netzidentität eng an eine staatsbürgerschaftliche und kohärente Identität gekoppelt wird, soll eine Ordnung in die Unordnung des Internets gebracht werden, die stark an die hegemonialen Werte unserer „realen“ Gegenwart erinnert.
Aus diesem Grund wird weiter zu beobachten sein, inwiefern sich deterministische Identitätskonzepte im Netz durchsetzen oder sich Räume öffnen für deren Sprengung.
Francesca
Geschrieben von queer-o-mat
in Gesellschaft
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19:50
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Montag, 2. November 2009
Pornfilmfestival in Berlin – ein kurzes Review
In diesem Jahr fand vom 22.-25.Oktober das 4. Pornfilmfestival in Berlin statt. Angekündigt waren „so viele spannende und interessante Arbeiten von „Frauen“ wie noch nie“, einem Umstand, auf den sich laut dem Festivalleiter Jürgen Brüning die Presse stürzte, ohne danach zu fragen, welcher Motivation folgend. Wollte mensch sich in differenzbiologistischen Thesen, Frauen würden „andere“ oder gar hinter vorgehaltener Hand bessere Pornos machen, bestätigt sehen oder ging es tatsächlich um einen kritischen Blick auf mediale Geschlechterklischees und ausbeuterische Produktionsbedingungen?
Schließlich war das Programm viel versprechend, auch im Hinblick auf etwaige queere, alternative, feministische Pornos – que(e)rliegend zu stereotypen Geschlechterrollen, heteronormativem Mainstream und Herrschaftsverhältnissen.
Die Auswahl aus dem umfangreichen Programm fiel schwer und musste doch getroffen werden, so dass ich das Festival mit dem Eröffnungsfilm begann:
"Pornfilmfestival in Berlin – ein kurzes Review" vollständig lesen »
Schließlich war das Programm viel versprechend, auch im Hinblick auf etwaige queere, alternative, feministische Pornos – que(e)rliegend zu stereotypen Geschlechterrollen, heteronormativem Mainstream und Herrschaftsverhältnissen.
Die Auswahl aus dem umfangreichen Programm fiel schwer und musste doch getroffen werden, so dass ich das Festival mit dem Eröffnungsfilm begann:
"Pornfilmfestival in Berlin – ein kurzes Review" vollständig lesen »
Geschrieben von queer-o-mat
in Film
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17:01
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Donnerstag, 13. August 2009
Smash Homophobia II - Gegen die Heteronormalisierung von Familie
Dass es sich nicht nur um das normalisierende Geschwafel von Ronald Pofalla (CDU) und Norbert Geis (CSU) handelt, wenn es darum geht, Familie auf das heteronormative Dreigestirn von Mutter, Vater, Kind zu beschränken, sondern um eine alltägliche Praxis der Diskriminierung und Minorisierung queer lebender Menschen und Familien, wurde unlängst im Volkspark Wilmersdorf, Berlin, bestätigt.
"Am Donnerstag, dem 5.8, wollte eine Gruppe von vier Frauen und vier Kindern im Volkspark Wilmersdorf Minigolf spielen. Da auf der Preistafel groß für die Familienkarte - 2 Erwachsene und 2 Kinder geworben wurde, bat eine der Frauen um zwei Familienkarten. Die Verkäuferin verweigerte jedoch den Verkauf, schließlich handle es sich bei der Gruppe um keine Familie, da keine Männer dabei waren. Als empört nachgefragt wurde, warum in Berlin im Jahr 2009 Männer notwendig seien, um eine Familie zu sein, erklärte die Verkäuferin, dass Familie Vater, Mutter und Kinder bedeutet.
Wir wollen und können nicht auf veraltete Vater-Mutter-Kind Muster reduziert werden! Ganz gleich, ob Regenbogenfamilie, Einelternfamilie, Wohngemeinschaft mit Kindern und fordern Gleichberechtigung!"
Daher: Smash Homophobia!
Wann? 13. August 2009 um 16.00 Uhr
Wo? Minigolfplatz im Volkspark Wilmersdorf (Straße am Schoelerpark 34, 10715 Berlin). Treffpunkt für Ortsunkundige: 15.45, Uhr U-Bhf. Blissestraße, Ausgang Auenkirche
"Am Donnerstag, dem 5.8, wollte eine Gruppe von vier Frauen und vier Kindern im Volkspark Wilmersdorf Minigolf spielen. Da auf der Preistafel groß für die Familienkarte - 2 Erwachsene und 2 Kinder geworben wurde, bat eine der Frauen um zwei Familienkarten. Die Verkäuferin verweigerte jedoch den Verkauf, schließlich handle es sich bei der Gruppe um keine Familie, da keine Männer dabei waren. Als empört nachgefragt wurde, warum in Berlin im Jahr 2009 Männer notwendig seien, um eine Familie zu sein, erklärte die Verkäuferin, dass Familie Vater, Mutter und Kinder bedeutet.
Wir wollen und können nicht auf veraltete Vater-Mutter-Kind Muster reduziert werden! Ganz gleich, ob Regenbogenfamilie, Einelternfamilie, Wohngemeinschaft mit Kindern und fordern Gleichberechtigung!"
Daher: Smash Homophobia!
Wann? 13. August 2009 um 16.00 Uhr
Wo? Minigolfplatz im Volkspark Wilmersdorf (Straße am Schoelerpark 34, 10715 Berlin). Treffpunkt für Ortsunkundige: 15.45, Uhr U-Bhf. Blissestraße, Ausgang Auenkirche
Dienstag, 28. Juli 2009
Verbot von Homosexualität in Indien abgeschafft - ein Relikt der Kolonialzeit
Wenn nun auch nicht mehr auf der Höhe der tagespolitischen Neuigkeiten, möchten wir nicht verpassen, der Bekanntgabe Raum zu geben, dass das Verbot von Homosexualität in Indien per offiziellen Richterspruch abgeschafft wurde.
Interessant bei der Verlautbarung war die Information, dass dieses Verbot erst seit der Kolonialzeit fest in der indischen Verfassung verankert war. Somit ließe sich fragen, wie es sich vor der Kolonisierung durch Britannien in Indien verhielt. Zudem die gesellschaftliche Anerkennung der Hijaras (Zwischengeschlechter), zumindest in den Riten neugeborener Kinder, auf einen anderen denn prohibitiven Umgang mit sexueller Identität und sexueller Orientierung schließen lasse, erinnere ich mich außerdem an den sehr offenen Umgang homosozialer Praktiken unter Männern während unserer Indienreise. Folgt mensch der These Georg Klaudas, dass Homosexualität eine westliche Konstruktion ist, die gemäß imperialer Streif- und Eroberungszüge zur Heteronormalisierung des "Orients" beitrug, ließe sich in Bezug auf Indien vermerken, dass durch das Kolonialregime Homosexualität als Diskurs eingeführt wurde, um diesen augenblicklich zu sanktionieren. Die Kriminalisierung des homosexuellen Subjekts war geboren und bestrafte ab sofort gleichgeschlechtliche aber auch gegengeschlechtliche sexuelle Handlungen, die nicht "durch eine direkte Verbindung von Penis und Vagina vorgenommen werden". Die gesetzliche Rahmung heteronormativer Standards setzte jedoch vornehmlich Homosexuelle unter Druck, so dass seit geraumer Zeit Voices against 377 für die Abschaffung kämpfte. Eine Abschaffung, die letzlich seit der Unabhängigkeit Indiens hätte realisiert werden können, handelte es sich um ein Kolonialgesetz. Dem stand in den letzten Jahren lange die hindunationalistische Bharatiya Janata Party im Weg - eine Partei, die sich vielerlei nationaler Ideologien annahm und deren inhärente Homophobie internalisierte. Ebenjener nationalistische Kontext entstand aus der Kolonisation heraus, da eine Nation für den Befreiungskampf heraufbeschworen werden musste, die es so vorher nicht gab.
Bei der Pluralität der indischen Geschichte können diese Zeilen nur sehr verkürzt erscheinen, so dass es interessant wäre, eingehender das Verhältnis zu "Homosexualität" und Heteronormativität in vorkolonialer Zeit zu thematisieren.
Zum Weiterlesen:
http://www.urmila.de/UDG/Biblio/iz3w05.html
http://www.suedasien.info/analysen/686
Zum Schauen:
Between the Lines
Fire
Zum Empfehlen:
Gayatri Gopinath (2005): Impossible Desires. Queer Diasporas and South Asian Public Cultures.
-> geht auf das Verhältnis von Nation und Diaspora und der Bedeutung des queeren Begehrens für die Narration von Nation ein!
Interessant bei der Verlautbarung war die Information, dass dieses Verbot erst seit der Kolonialzeit fest in der indischen Verfassung verankert war. Somit ließe sich fragen, wie es sich vor der Kolonisierung durch Britannien in Indien verhielt. Zudem die gesellschaftliche Anerkennung der Hijaras (Zwischengeschlechter), zumindest in den Riten neugeborener Kinder, auf einen anderen denn prohibitiven Umgang mit sexueller Identität und sexueller Orientierung schließen lasse, erinnere ich mich außerdem an den sehr offenen Umgang homosozialer Praktiken unter Männern während unserer Indienreise. Folgt mensch der These Georg Klaudas, dass Homosexualität eine westliche Konstruktion ist, die gemäß imperialer Streif- und Eroberungszüge zur Heteronormalisierung des "Orients" beitrug, ließe sich in Bezug auf Indien vermerken, dass durch das Kolonialregime Homosexualität als Diskurs eingeführt wurde, um diesen augenblicklich zu sanktionieren. Die Kriminalisierung des homosexuellen Subjekts war geboren und bestrafte ab sofort gleichgeschlechtliche aber auch gegengeschlechtliche sexuelle Handlungen, die nicht "durch eine direkte Verbindung von Penis und Vagina vorgenommen werden". Die gesetzliche Rahmung heteronormativer Standards setzte jedoch vornehmlich Homosexuelle unter Druck, so dass seit geraumer Zeit Voices against 377 für die Abschaffung kämpfte. Eine Abschaffung, die letzlich seit der Unabhängigkeit Indiens hätte realisiert werden können, handelte es sich um ein Kolonialgesetz. Dem stand in den letzten Jahren lange die hindunationalistische Bharatiya Janata Party im Weg - eine Partei, die sich vielerlei nationaler Ideologien annahm und deren inhärente Homophobie internalisierte. Ebenjener nationalistische Kontext entstand aus der Kolonisation heraus, da eine Nation für den Befreiungskampf heraufbeschworen werden musste, die es so vorher nicht gab.
Bei der Pluralität der indischen Geschichte können diese Zeilen nur sehr verkürzt erscheinen, so dass es interessant wäre, eingehender das Verhältnis zu "Homosexualität" und Heteronormativität in vorkolonialer Zeit zu thematisieren.
Zum Weiterlesen:
http://www.urmila.de/UDG/Biblio/iz3w05.html
http://www.suedasien.info/analysen/686
Zum Schauen:
Between the Lines
Fire
Zum Empfehlen:
Gayatri Gopinath (2005): Impossible Desires. Queer Diasporas and South Asian Public Cultures.
-> geht auf das Verhältnis von Nation und Diaspora und der Bedeutung des queeren Begehrens für die Narration von Nation ein!
Geschrieben von queer-o-mat
in Asien
um
21:45
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