Bestes Beispiel hierfür ist der unter der Rubrik Politik (im Übrigen nur einer der wenigen politisch motivierten Artikel) Beitrag über Female Genital Cutting (von der Autorin als Genitalverstümmelung bezeichnet) in Burkina Faso. So schwarz–weiß malerisch wie der Artikel, ist allein schon die Aufmachung. Auf schwarzem Hintergrund zeichnen sich weiße Menschenschablonen ab, die im Genitalbereich schwarze Einschnitte aufweisen. Wird das weiße Zentrum bildlich in den Fokus der visuellen Betrachtung und auch Reflexion gerückt, geschieht dies im Text nicht. Die schwarzen Frauen werden als Opfer stigmatisiert und objektiviert für das Erkenntnisinteresse weißer Missys auf der Couch mit Kaffee und Kuchen. Die Hierarchie von beschriebenen Objekt und beschreibenden Subjekt wird (re)installiert, ohne den Fokus (auch) auf die sich unters Messer legenden, weißen, jungen Frauen zu richten, die sich entsprechend bestimmter Schönheitsvorstellungen in westlichen Gesellschaften die Schamlippen stutzen lassen. Unterstützt durch die abgebildete Landkarte Afrikas findet eine räumliche Fixierung des Female Genital Cuttings statt, die westliche Gesellschaften und die dort ebenso stattfindenden Praxen unmarkiert lässt.
Ein bisschen differenzierter hätte es schon sein müssen, möchte das Missy nicht mit der Emma gleichgesetzt werden. Stattdessen wird Geschlechteremanzipation als Distinktionsmerkmal herausgestellt, welches die westliche Norm als emanzipierter qualifiziert. Dieser und die meisten der anderen Artikel dienen dazu, ein Rollenmodell erfolgreicher, meist weißer Mittelschichtsfrauen oder intellektuell, sporadisch prekarisierter Frauen zu entwerfen, die scheinbar nichts mit einer Langzeitsarbeitslosen, Migrantin oder einer schwarzen Frau aus Burkina Faso zu tun haben. Viel mehr sollen „wir“ das Heft zuklappen und denken, alles schaffen zu können und sofort anpacken zu müssen, ohne zu hinterfragen, wer eigentlich was aus welchem Kontext heraus tatsächlich umsetzen kann oder aus strukturellen Gründen verhindert wird.











ansonsten finde ich es schade, dass zum belegen deiner Missy|EMMA-these nur diesen einen artikel heranziehst...
mir persönlich erscheint die Missy nicht sehr emmaesk und obiger text hat mich jetzt nicht vom gegenteil überzeugt (ich hab den zitierten artikel allerdings auch noch nicht gelesen).
ich fänd es daher gut, wenn du deine kritik noch weiter ausführen könntest.
dabei verfolgen emma und misy vorerst verschiedene ansprüche. will die emma ein feministisch, emanzipiertes subjekt begründen und empowern, will die missy popkultur aus feministischer perspektive betrachten.
dabei verfolgen sie jedoch ähnliche strategien - einzig dadurch, dass sie einen, auf weißsein und mittelklasse zentrierten begriff von feminismus zugrunde legen und darüber hinaus keine für mich ersichtlichen allianzen zu nicht-weißen, prekarisierten, queeren Menschen anbieten. zugrunde legen deswegen, weil sie es schon gar nicht mehr nötig haben, ihren feminismusbegriff zu erklären (z.B. im editorial) oder den begriff der "frauen" zu hinterfragen. bereits darin beanpruchen beide magazine für alle "frauen" sprechen zu können, ohne dass es ihnen gelingt, sie selbst zum sprechen zu bringen. der einzige artikel, der das im missy ein wenig zu durchbrechen versucht, ist der über yo majesty.
das missy ähnelt der emma auch darin, dass nahezu alle themen personenzentriert verhandelt werden, in der hoffnung, die leser_innen zu empowern, was jedoch nicht gelingen kann, wenn die rolemodels so homogen sind, wie es die "frauen" auf der straße nicht sind. das produziert ausschlüsse, denn eine künstlerisch begabte, kreative, heterosexuelle Biofrau hat ebenso wenig mit mir zu tun wie eine afroamerikanische, relative erfolgreiche, lesbische hiphopperin. wenn zu einseitge identifikationsangebote gemacht werden, wird es mich kaum empowern, sondern vielleicht eher einschränken. mehr vielfalt wäre gut - und das nicht im sinne einer bessern vermarktbarkeit.
ich hab noch einge weitere punkte im kopf. mach hier aber erst mal schluss.
Sehr treffende Beschreibung für Emma..Missy habe ich nicht gelesen, also kann ich nicht beurteilen ob die Methoden dort tatsächlich ähnlich sind.
Ein Fokus auf "die sich unters Messer legenden, weißen, jungen Frauen zu richten, die sich entsprechend bestimmter Schönheitsvorstellungen in westlichen Gesellschaften die Schamlippen stutzen lassen" fände ich jedoch nicht hilfreich, um der Problematik des Objektivierens zu entgehen. Die Genitaloperationen dienen von Anfang an einem völlig anderen Zweck und haben vor allem andere Folgen: Während es bei den Operationen hauptsächlich um Ästhetik und Luststeigerung für die Frau selbst geht(zb. bei "G-Punkt-Aufspritzen), dient die Verstümmelung der Verminderung oder völligen Zerstörung der weiblichen Lust und hat auch bei dem "Ästhetik-Argument" diese Folge.
Den einzigen Weg den ich sehe um der Objektivierungsfalle zu entkommen ist, selbst betroffene Frauen bei der Berichtserstattung hinzuzuziehen. Aber auch wenn wir selbst nicht betroffen sind, dürfen wir uns bei Berücksichtigung aller vorliegenden Fakten doch selbst eine Meinung darüber Bilden und darüber berichten?