Den Auftakt des diesjährigen Wigstöckel Festivals bildete eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Transphobie bekämpfen – lokale Strategien zur Umsetzung geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung in und außerhalb Europas“ - eine Forderung, die im Zuge zahlreicher Aufrufe Homophobie zu smashen bzw. im Diktum der Priorisierung von Sexualität oft zu kurz kommt. Dabei bezieht sich Homophobie oft auch auf die Transgression von Gender und geschlechtlichen Normvorstellungen, werden schwule Männer auch diskriminiert, leben sie z.B. ihre Männlichkeit different von einer als Norm gesetzten Maskulinität aus oder werden Butches gedisst aufgrund bestimmter Brechungen von Weiblichkeitsnormierungen.
Welchen Strukturen und gesetzlichen Einschränkungen Trans*Menschen ausgesetzt sind, diskutierten 2 Aktivits*innen der Queer Beograd Gruppe, Aykan Safolu von Lambdaistanbul,GLADT und ChaosGL sowie Ammo Recla von ABqueer, um im Anschluss Strategien vor Ort bzw. auf internationaler Ebene zu besprechen.
In der direkten Gegenüberstellung ergaben sich dabei überraschende Einblicke in die Kontexte Serbiens, der Türkei und Deutschlands, so dass sich unterm Strich sagen ließe, dass die Situation überall gleich schlecht ist. Auch wenn sich die medizinische Lage in Serbien komfortabel darstellt und Gesetzeslücken teilweise rechtliche Anerkennung zulassen, ist ein öffentliches Leben als Trans*Person mit Gefahren verbunden, die z.B. Queer Beograd dazu veranlassen, sich im Untergrund zu organisieren. In der Türkei gibt es keine Verbote, aber auch keine Hoffnungen auf die Integration. Mechanismen der Pathologisierung durch die Beweispflicht mittels psychologischer Gutachten als auch der Kriminalisierung von trans*gender Sexarbeiter*innen verhindern einen gesellschaftlichen Diskurs der Anerkennung und Gleichberechtigung. Zudem der ökonomische Druck Gentrifizierungsprozesse hervorruft, die zu Angriffen auf Trans*Menschen führen. In Deutschland wird sich die Situation durch die gescheiterte Reform des veralteten TSGs hinsichtlich des Zwangs geschlechtsanpassender Operationen oder Zwangssterilisationen auch vorerst nicht ändern, so dass die menschenrechtsverletzende Prekarisierung weiter seinen Lauf nimmt.
Auf die Frage nach den Strategien kam mensch überein, dass respektvolle Annäherungen und das gegenseitige Kennenlernen von enormer Wichtigkeit sind, was jedoch nur so lange funktionieren kann, wie es keine Bevormundungen gibt. Internationaler Druck bzw. Druck von der EU kann daher sicherlich Veränderungen auf rechtlicher Ebene bewirken, aber nicht zwingend in den Köpfen und Herzen der Menschen, von denen Diskriminierungen ausgehen. In der Eroberungen ebenjener Köpfe sind gegenseitiges Lernen und lokale Kontextualisierungen Ansätze internationaler Zusammenarbeit - nicht zu vergessen: Sex und Romantik als Mittel gegenseitiger Tuchfühlung. Wer mag, hat heute beim Wigstöckel Festival mit Queer Beograd zu Gast Gelegenheit dazu.
Samstag, 3. Oktober 2009
Transphobie bekämpfen! Bloß wie?
Samstag, 8. November 2008
Grazer Oberbürgermeister glaubt noch immer an das „schwächere weibliche Geschlecht“
Der Grazer Oberbürgermeister Siegfried Nagl, unter anderem für seine Ansicht bekannt, Homosexuelle fänden im Gebet die Wandlung hin zur Heterosexualität, äußerte sich jetzt zu den biologischen Determinanten der Geschlechter.
Notwendig geworden war dies, aufgrund seiner engen Beziehung zu Walter Hoffmann, einem Psychoanalytiker, der in einem Buch, in dem Nagel das Vorwort geschrieben hat, den Penis zum „Kampforgan“ stilisierte.
Da dieses „Kampforgan“ „naturgemäß“ nur „Männer“ besitzen, seien sie dann eben aus jenem Grunde den „Frauen“ auch überlegen. Diese These unterstrich Hoffmann mit der Aussage: „Wenn sie mit einem Mann auf einer einsamen Insel sind, und er will was von ihnen, ist es eine Frage der Zeit, bis er sie vergewaltigt. Umgekehrt können sie ihn aber nicht vergewaltigen.” Nagel dazu befragt, erklärte, dass diese These richtig sein, denn es sei “das Faktum”, dass das schwächere weibliche Geschlecht, das noch dazu über das aufnehmende Sexualorgan verfügt, auf der biologischen Ebene dem männlichen ausgeliefert ist. Dass der biologische Unterschied auch psychische Konsequenzen hat, erscheint mir naheliegend.”
Dagegen sprachen sich die grünen Koalitionspartner und der Klubchef der SP aus.
Warum man sich gerade nicht auf biologische und damit vermeintlich „natürliche“ Unterschiede berufen sollte, liegt klar auf der Hand. Durch eine solche Zuordnung, werden die Kategorien „Mann“ und „Frau“, das erste Mal gestärkt. Weiterhin wird aus dieser Unterscheidung die jeweilige Zuordnung der Personen zu bestimmten Rollen hergeleitet. Da „Natürlichkeit“ bei dieser Frage eine übergeordnete Rolle spielt, gelingt es nur schwer, die eigentlichen Konstruktionen aufzudecken bzw. wird eine mögliche Bewusstwerdung verunmöglicht. Die Differenz und die Kategorien werden somit nicht mehr als Produkt einer Konstruktion verstanden, sondern als Effekt der „natürlichen“ biologischen Unterschiede.
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http://diestandard.at/?id=1207285455186 (02.05.08 20:17Uhr)
[2] ebd.
Notwendig geworden war dies, aufgrund seiner engen Beziehung zu Walter Hoffmann, einem Psychoanalytiker, der in einem Buch, in dem Nagel das Vorwort geschrieben hat, den Penis zum „Kampforgan“ stilisierte.
Da dieses „Kampforgan“ „naturgemäß“ nur „Männer“ besitzen, seien sie dann eben aus jenem Grunde den „Frauen“ auch überlegen. Diese These unterstrich Hoffmann mit der Aussage: „Wenn sie mit einem Mann auf einer einsamen Insel sind, und er will was von ihnen, ist es eine Frage der Zeit, bis er sie vergewaltigt. Umgekehrt können sie ihn aber nicht vergewaltigen.” Nagel dazu befragt, erklärte, dass diese These richtig sein, denn es sei “das Faktum”, dass das schwächere weibliche Geschlecht, das noch dazu über das aufnehmende Sexualorgan verfügt, auf der biologischen Ebene dem männlichen ausgeliefert ist. Dass der biologische Unterschied auch psychische Konsequenzen hat, erscheint mir naheliegend.”
Dagegen sprachen sich die grünen Koalitionspartner und der Klubchef der SP aus.
Warum man sich gerade nicht auf biologische und damit vermeintlich „natürliche“ Unterschiede berufen sollte, liegt klar auf der Hand. Durch eine solche Zuordnung, werden die Kategorien „Mann“ und „Frau“, das erste Mal gestärkt. Weiterhin wird aus dieser Unterscheidung die jeweilige Zuordnung der Personen zu bestimmten Rollen hergeleitet. Da „Natürlichkeit“ bei dieser Frage eine übergeordnete Rolle spielt, gelingt es nur schwer, die eigentlichen Konstruktionen aufzudecken bzw. wird eine mögliche Bewusstwerdung verunmöglicht. Die Differenz und die Kategorien werden somit nicht mehr als Produkt einer Konstruktion verstanden, sondern als Effekt der „natürlichen“ biologischen Unterschiede.
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http://diestandard.at/?id=1207285455186 (02.05.08 20:17Uhr)
[2] ebd.
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