Die Zeitschrift gegen die Realität - Phase2 - versucht sich mit der Juni Ausgabe mit einem Queer Schwerpunkt und und lotet dabei auch das Verhältnis von Queer und Marxismus aus. Insofern sich eine Linke in der Tradition der Aufklärung sieht, scheint es unumgänglich, dass eine Auseinandersetzung mit dem emanzipatorischen Potential queerer Theorien stattfinden muss, da queer die objektiven und materiellen Verhältnisse, an denen der Marixmismus Kritik übt, zu dekonstruieren versucht. Doch wie umgehen mit dem linken Unbehagen von Gewicht gegenüber dem queeren Unbetragen? Wie kann die Linke an etwas Kritik üben, was die queere Theorie in der Existenz an sich in Frage stellt - wie eben die Zweigeschlechtlichkeit. Einige Anhaltspunkte für die weiterführende Diskussion finden sich in der neuen Phase2. Zu empfehlen auch ist Kilby2 - die Literaturbeilage u.a. mit einer Rezension von Georg Klaudas "Die Vertreibung aus dem Serail"
Infos hier
Dienstag, 21. Juli 2009
Unbetragen von Gewicht - Queer Schwerpunkt in Phase2
Sonntag, 3. Mai 2009
Buchpräsentation "Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts"
Am 6. Mai, 19:00 Uhr, präsentiert Mithu M. Sanyal "Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts” im Hauptgebäude der HU, Unter den Linden 6, Senatssaal. Christina v. Braun moderiert.
"Diese freche, facettenreiche, lustvoll erzählte Kulturgeschichte des weiblichen Geschlechts, eine Geschichte von Aberkennung und Aneignung, stellt die aktuelle Diskussion um Post- und Popfeminismus sowie um öffentlich enthüllte Privatgebiete auf ein solides Fundament."
Was mit einem soliden Fundament und vorallem der Enthüllung gemeint ist, kann dies ggfs. am Mittwoch erfahren. Wir werden berichten.
Was mit einem soliden Fundament und vorallem der Enthüllung gemeint ist, kann dies ggfs. am Mittwoch erfahren. Wir werden berichten.
Geschrieben von queer-o-mat
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Freitag, 3. April 2009
Femmethology Virtual Tour
Class. Disability. Transphobia. Race. Body size. Surrogacy. Nationality. Biphobia. Economics. Sex work. Queer families. Misogyny. All of these issues and more comprise Visible: A Femmethology, the only two-volume anthology devoted to femme identity. Edited by Jennifer Clare Burke the book contains personal essays from over fifty contributors who explore what it means to be a queer femme. Award-winning authors, spoken-word artists, and totally new voices come together to challenge conventional ideas of how disability, class, nationality, race, aesthetics, sexual orientation, gender identity and body type intersect with each contributor’s concrete notion of femmedom.
More from Queer-o-mat about Femmethology soon!
Check out the blogs below on the associated dates to learn more about the Femmethology volumes!
4/1. Sugarbutch Chronicles
4/2. Ellie Lumpesse
4/3. Queer-o-mat
4/4. CyDy Blog
4/6. Catalina Loves
4/7. cross-post: The Femme’s Guide and Femme Fagette
4/8. Daphne Gottlieb
4/9. Bilerico Project
4/10. Screaming Lemur: Femme-inism and Other Things
4/13. The Femme Hinterland
4/14. Bochinche Bilingüe: Borderlands Writing and The Vagina Adventures
4/15. Dorothy Surrenders
4/16. Miss Avarice Speaks Her Mind
4/17. The Femme Show
4/19. Sexuality Happens
4/20. Queer Fat Femme
4/21. Sublimefemme Unbound
4/22. Tina-cious.com and Jess I Am (butch-femme couple day!)
4/23. FemmeIsMyGender
4/24. The Lesbian Lifestyle
4/25. Femme Fluff
4/26. Weldable Cookies
4/27. The Verbosery
4/28. A Consuming Desire and Creative Xicana
4/29. Queercents
4/30. en|Gender
Listen some stuff!
Win some stuff!
Donnerstag, 12. März 2009
Queer leben queer lablen – wissenschaftskritische Kopfmassagen - eine Rezension.
Ich bat Marlene B. aus B. an der S., das Buch „queer leben-queer labeln.“ zu lesen und mir ihre Eindrücke zu schildern, um sie zu einer Rezension zusammenzufassen. Im folgenden finden sich also ihre Gedanken zu dem Buch.
„Queer leben-queer labeln“ vermag es die Fluidität des queeren Begriffes aufzuzeigen und widerzuspiegeln, lässt den Leser_innen viel Raum sich „zu finden“, sich wieder zu verändern oder gänzlich neu zu orientieren. So umfangreich, wechselseitig und durchaus streitbar der queere Begriff ist, so unterschiedlich sind die Beiträge im Buch. Setzungen werden vermieden, Ideen, Anregungen und neue Blickwinkel werden aufgezeigt.
In besonderer Weise hervorgehoben werden kann die Einleitung von Katrin Köppert, die sprachlich anspruchsvoll mit Selbstironie und Ernsthaftigkeit den Inhalt des Buches ankündigt und schon auf den ersten Seiten ambivalent deutlich macht, worum es gehen soll, vielmehr kann.
Der Artikel von V.D. Emde und L. Cavaliero Mann*, der sich wunderbar an die Einleitung anschließt und die Idee der Konferenz, welche dem Buch vorausgegangen ist, näher erläutert, beschreibt die Übersetzungsschwierigkeiten von Theorie und Praxis. Zeigt auch die Schwierigkeiten den wissenschaftlichen theoretischen Diskurs zu verlassen, um mensch in der Praxis anzusprechen und zu motivieren, sich zu beteiligen, eigene Gedanken und Ideen einzubringen. V.D. und LC thematisieren immer wieder, wie schwierig es ist, „ansozialisierte“ Verhaltensweisen aufzubrechen und umzudefinieren. Dabei scheuen sie nie, sich selbst, die Idee der Konferenz sowie der Umsetzung immer wieder kritisch zu hinterfragen.
„Queer leben-queer labeln“ versucht auszubrechen aus dem wissenschaftlichen Diskurs, indem es entstanden ist, lässt neue und spannende Textformen zu, gibt keine Hierarchisierungen vor. Claudia Münzigs Text - „Die Psychognomie des queeren Raums. Vom Darkroom zum queeren Lichtraum/zu queeren Lichtung.“ „passt nicht in ein wissenschaftlich vorgegebenes Konzept“ und eröffnet neue Möglichkeiten, sowohl für Wissenschaft als auch für Praxis.
Ein Manko vieler Texte: Sie greifen zu kurz, sie füttern Leser_innen mit neuen Ideen an und helfen nur begrenzt bei der Umsetzung. Für progressiv queerdenkende Menschen entsteht so ein Vakuum von Theorie und Durchführung. Allerdings bleibt die Frage, ob die Texte diesem Anspruch bis ins Letzte gerecht werden müssen, will mensch doch Definitionen und „strikte“ Vorgaben vermeiden.
Denn die Frage, ob Texte immer auch ein Ergebnis liefern und Handlungsanweisungen bereithalten müssen, bleibt im (Lese)Raum stehen. Sollen sie uns wirklich das eigenständige Denken und Probieren abnehmen? Können sie nicht vielmehr Anreize bieten, aus denen mensch etwas entstehen lassen bzw. von denen aus eine neue Wissensreise ausgehen kann? Diese Fragen vermag auch das Buch nicht abzunehmen und überlässt die Antworten den geneigten Leser_innen.
Fazit: „queer leben-queer labeln“ folgt einem heren Ansatz, denn kritische Hinterfragung von Interdependenzen ist ein enorm wichtiges, aber schwer anzugehendes Thema, denn die Gefahr von Ausschlussproduktionen ist groß. Vielleicht auch deshalb bleiben die Autor_innen immer vorsichtig, vermeiden Setzungen bzw. klare Definitionen und scheuen sich nicht, angreifbar zu werden und Kritik von außen zuzulassen.
Alle Artikel bieten einen zumeist praktischen Erkenntniswert und sind durchaus geeignet (aus jeglichen, damit auch nichtwissenschaftlichen Bereichen) gelesen und verstanden und ggf. umgesetzt zu werden. Queer leben – queer labeln ist ein guter erster Einstieg für alle, die dieser Thematik zum ersten Mal begegnen. Queer leben – queer labeln ist jedoch auch für all jene, die Queer Theory aus dem wissenschaftlichen Kontext kennen und nach Übersetzungsmöglichkeiten in der Praxis suchen, ein Angebot.
Empfehlung: kaufen
Francesca
In besonderer Weise hervorgehoben werden kann die Einleitung von Katrin Köppert, die sprachlich anspruchsvoll mit Selbstironie und Ernsthaftigkeit den Inhalt des Buches ankündigt und schon auf den ersten Seiten ambivalent deutlich macht, worum es gehen soll, vielmehr kann.
Der Artikel von V.D. Emde und L. Cavaliero Mann*, der sich wunderbar an die Einleitung anschließt und die Idee der Konferenz, welche dem Buch vorausgegangen ist, näher erläutert, beschreibt die Übersetzungsschwierigkeiten von Theorie und Praxis. Zeigt auch die Schwierigkeiten den wissenschaftlichen theoretischen Diskurs zu verlassen, um mensch in der Praxis anzusprechen und zu motivieren, sich zu beteiligen, eigene Gedanken und Ideen einzubringen. V.D. und LC thematisieren immer wieder, wie schwierig es ist, „ansozialisierte“ Verhaltensweisen aufzubrechen und umzudefinieren. Dabei scheuen sie nie, sich selbst, die Idee der Konferenz sowie der Umsetzung immer wieder kritisch zu hinterfragen.
„Queer leben-queer labeln“ versucht auszubrechen aus dem wissenschaftlichen Diskurs, indem es entstanden ist, lässt neue und spannende Textformen zu, gibt keine Hierarchisierungen vor. Claudia Münzigs Text - „Die Psychognomie des queeren Raums. Vom Darkroom zum queeren Lichtraum/zu queeren Lichtung.“ „passt nicht in ein wissenschaftlich vorgegebenes Konzept“ und eröffnet neue Möglichkeiten, sowohl für Wissenschaft als auch für Praxis.
Ein Manko vieler Texte: Sie greifen zu kurz, sie füttern Leser_innen mit neuen Ideen an und helfen nur begrenzt bei der Umsetzung. Für progressiv queerdenkende Menschen entsteht so ein Vakuum von Theorie und Durchführung. Allerdings bleibt die Frage, ob die Texte diesem Anspruch bis ins Letzte gerecht werden müssen, will mensch doch Definitionen und „strikte“ Vorgaben vermeiden.
Denn die Frage, ob Texte immer auch ein Ergebnis liefern und Handlungsanweisungen bereithalten müssen, bleibt im (Lese)Raum stehen. Sollen sie uns wirklich das eigenständige Denken und Probieren abnehmen? Können sie nicht vielmehr Anreize bieten, aus denen mensch etwas entstehen lassen bzw. von denen aus eine neue Wissensreise ausgehen kann? Diese Fragen vermag auch das Buch nicht abzunehmen und überlässt die Antworten den geneigten Leser_innen.
Fazit: „queer leben-queer labeln“ folgt einem heren Ansatz, denn kritische Hinterfragung von Interdependenzen ist ein enorm wichtiges, aber schwer anzugehendes Thema, denn die Gefahr von Ausschlussproduktionen ist groß. Vielleicht auch deshalb bleiben die Autor_innen immer vorsichtig, vermeiden Setzungen bzw. klare Definitionen und scheuen sich nicht, angreifbar zu werden und Kritik von außen zuzulassen.
Alle Artikel bieten einen zumeist praktischen Erkenntniswert und sind durchaus geeignet (aus jeglichen, damit auch nichtwissenschaftlichen Bereichen) gelesen und verstanden und ggf. umgesetzt zu werden. Queer leben – queer labeln ist ein guter erster Einstieg für alle, die dieser Thematik zum ersten Mal begegnen. Queer leben – queer labeln ist jedoch auch für all jene, die Queer Theory aus dem wissenschaftlichen Kontext kennen und nach Übersetzungsmöglichkeiten in der Praxis suchen, ein Angebot.
Empfehlung: kaufen
Francesca
Sonntag, 1. März 2009
Queer Reading in den Philologien - Kanonkritik in Buchformat
von Katrin Köppert
Gegen die Deutungshoheit anzuschreiben, war scheinbar eine Motivation der Herausgeberinnen von „Queer Reading in den Philosophien“, die unter gleichen Namen die Konferenz vom 2. - 5. November an der Universität Wien organisiert und umgesetzt hatten. Nicht „dem Autor“ die Hoheit überlassen, zu wissen, was er_sie geschrieben hat; nicht dem Feuilleton die Hoheit überlassen, zu wissen, was gelesen werden will und nicht der Wissenschaft überlassen, zu wissen, was der Text bedeutet, ist Tenor und Herausforderung einer Kritik an der normativen Herstellung von Wert und Kanon. In den Prozessen der „Wertschöpfung“ spielen Geschlecht und Sexualität eine zentrale Rolle, solange nur Textprodukte protegiert werden, die zweigeschlechtlichen und heteronormativen Mustern folgen und unter eben jenen Bedingungen entstehen können. Texte, die darüber hinaus ragen oder sich zwischen die engen Maschen des Diskurses hindurch zwängen, wurden und werden diskursiv zum Schweigen gebracht.
Dieses Schweigen sollte mittels queerender Lektüren literarischer Texte im Rahmen der Konferenz gebrochen werden. Queer Reading rekurriert auf ein Lektüreverfahren, dass
„Texte auf ihre heteronormative Zeichenökonomie hin untersucht, queer Subtexte sichtbar macht und Lesarten ermöglicht, die die Konstruktion von binären Sexualitäts- und Geschlechtskonzepten decouvrieren.“
Die Anwendungen dieses Verfahrens auf literarische, filmische und kulturelle Texte werden in dem Band dokumentiert sowie die Konfrontation von Wissenschaft und Kunst wiedergegeben. Dabei verharrt die Strukturierung des Buches in ebenjener Konfrontation und Grenzziehung zwischen Theorie und Praxis, insofern theoretische Explikationen von den Anwendungen und (Workshop)Berichten getrennt werden. Lediglich die künstlerischen Beiträge werden gemäß der These, es handele sich um ein intrinsisches Verhältnis zwischen queerer (Performance)Kunst und queerer Theorie, nahezu sklavisch zwischen die einzelnen wissenschaftlichen Beiträge eingeschoben. Queere Flexibilität bzw. Fluidität kommt dabei kaum auf.
Spannend wiederum die Idee der Kommentierung im Anschluss an die Beiträge. Im Zusammenfassen des soeben gelesenen entsteht der Raum für kritische Nachfragen und das Bezweifeln dargebotener Thesen, was ich als eine dialogische Form des Queerens insofern verstehen möchte, dass produziertes Wissen verunsichert wird und sich somit als ein angreifbares Wissen darstellt, das keinen Anspruch auf Wahrheit oder Richtigkeit hat. Somit bilden die Beiträge und Respondenzen Angebote der Interpretation und Auseinandersetzung, die auch nachdem der Band zugeschlagen wird, weitergedacht und in Fluss gebracht werden können. Die Lesarten zu Hans Christian Andersens „Die kleine Meerjungfrau“, Hanif Kureishis „The Buddha of Suburbia“ oder zum Nibelungenlied sind daher erste Diskursöffnungen, die über den jeweiligen Text hinaus darauf verweisen, dass kanonisierte Texte que(e)r lesbar sein können. Que(e)re Rezeptionen und Readings lassen längst bekannte und vielleicht auch wieder vergessene Texte neu entstehen und von sich Reden machen.
Infos
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